Hypnose-Therapie und Heilhypnose

Hypnose ist ein besonderer Bewusstseinszustand, in dem das Gehirn in der Lage ist,
ganzheitlicher zu arbeiten als in seiner alltäglichen Arbeitsweise im Wachzustand. In
Hypnose kann das Gehirn Veränderungen in seiner Programmierung besonders schnell und
effizient vollziehen. Der Hypnosezustand liegt neurologisch in einem Zwischenbereich
zwischen Schlaf und Wachbewusstsein, ist aber doch ein ganz eigener Zustand, der auch der
„dritte Bewusstseinszustand“ genannt wird. In der Hypnose sind die inneren Bereiche des
Gehirns, die häufig auch als „Unterbewusstsein“ bezeichnet werden, leichter zugänglich, so
dass Worte und Vorstellungen eine wesentlich stärkere Wirkung erzielen.

Hypnose ist aber kein einheitlicher Zustand, der immer gleich verläuft. Es gibt verschiedene
Arten von Trance. Die Hypnose hat viele Facetten und kann sich ganz unterschiedlich
anfühlen. Sie kann entspannend sein, wie man es von der klassischen Tiefenentspannung her
kennt, sie kann aber auch in einem sehr aktiven Zustand stattfinden, bei dem der Klient alles
mitbekommt, als wäre er innerlich wach; sein Unterbewusstsein ist aber dennoch offen für
Suggestionen.
Welche Hypnosestadien ein Klient erreichen kann, hängt von der individuellen Arbeitsweise
seines Gehirns, seines Nervensystems und seiner individuellen Trancefähigkeit ab. Der
Hypnotiseur kann die Hypnose zwar mithilfe von Induktions- und Vertiefungstechniken
beeinflussen, er kann aber immer nur mit dem arbeiten, was von Seiten des Klienten „da ist“.
Auch gilt es, mit typischen Klischees in Bezug auf die Hypnosearbeit aufzuräumen: Viele
Menschen, die schon einmal einen Showhypnotiseur live oder im Fernsehen gesehen haben,
glauben, man werde bei einer Hypnose bewusstlos und/oder wehrlos und könne sich danach
an nichts mehr erinnern. Tatsächlich ist die Showhypnose aber ein Sonderzustand der
Hypnose, den sowieso nur wenige Menschen überhaupt erreichen und der für die Therapie
völlig ungeeignet ist, da Suggestionen, die in diesem Trancezustand gegeben werden, nur sehr
kurzfristig wirken und nach 1 bis 2 Stunden wieder verfliegen.

Erkenntnisse aus der Gehirnforschung haben gezeigt, dass die Hypnoseebene ein gänzlich
uneinheitlicher Zustand ist. Sie unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und kann von
Faktoren wie Veranlagung, Art der Hypnoseeinleitung, Art der Hypnoseanwendung und der
Tagesform des Klienten beeinflusst werden.
Am besten ist die Hypnose erklärbar, wenn man sie in drei grundlegende Trancearten einteilt:
- die Entspannungstrance
- die Bewusstseinstrance
- die Körpertrance.
Diese Tranceebenen können allein oder in Mischformen vorkommen und haben verschiedene
Eigenschaften und Einsatzgebiete.

Die Entspannungstrance ist die Trance, die viele Laien sich als die klassische hypnotische
Trance vorstellen. Der Körper ist dabei wunderbar entspannt und der Klient fühlt sich zumeist
ausgesprochen wohl. Die reine Entspannungstrance hat aber außer der Entspannung keine
weiteren hypnotischen Effekte. Weder nimmt der Klient etwas Besonderes wahr, noch lassen
sich sonderlich suggestive Effekte erzielen. Sie dient also in ihrer Reinform hauptsächlich der
Erholung und kann z.B. bei gestressten oder erschöpften Klienten eingesetzt werden. Das
Gehirn ist in dieser Tranceart oft nur bedingt aufnahmefähig und gegebene Suggestionen
verpuffen häufig, weil sie ihr eigentliches „Ziel“ in Form des für das Behandlungsthema
verantwortlichen Gehirnareals nicht erreichen.

Die Bewusstseinstrance ist die Trance, in der Bewusstseinsveränderungen auftreten können.
Sie entspricht am ehesten der Vorstellung von Laien im Sinne von „Ich war in Trance“. In
dieser Tranceart können z.B. Dinge wahrgenommen werden, die im Wachbewusstsein nicht
möglich sind. In der Bewusstseinstrance können auch am effektivsten Änderungen von
Verhaltensweisen und inneren Einstellungen erreicht werden. Sie ist die Trance, die für die
therapeutische Arbeit neben der Körpertrance am nützlichsten ist.

Die Körpertrance ist die Trance, bei der der Hypnotiseur einen maximalen Einfluss auf alle
Vorgänge im Körper des Klienten nehmen kann. Sie ist nicht unbedingt mit Entspannung oder
außergewöhnlichen Bewusstseinswahrnehmungen verbunden. Bei bestimmten Krankheiten
und Beschwerdebildern nutze ich diese Tranceebene für die Heilhypnose, die die auch
körperliche Heilung eines Patienten/Klienten zum Ziel hat und in der Regel nur einen Teil der
Hypnose darstellt.

In der therapeutischen Praxis kommen die drei oben erwähnten Trancearten zumeist als
Mischformen vor. Das Mischverhältnis kann dabei frei variieren und ist immer vom Klienten
und vom Thema der Hypnose abhängig. Es ist also nicht gesagt, dass bei einem Klienten, der
sich in einer tiefen Entspannungstrance befindet, keine psychischen oder körperlichen
Veränderungen möglich sind, wie man sie ansonsten den anderen Trancearten zuordnen
würde.

In meiner therapeutischen Praxis teste ich deshalb in der Regel vorher aus,
welche Tranceart oder Trancearten ich in einer Hypnose-Sitzung einsetze.


Es kann zudem nötig sein, die Hypnose zu wiederholen, um die Wirkung zu vertiefen oder
mehrmals zu verankern. In der Regel ist es sinnvoll, drei aufeinander folgende Sitzungen zu
vereinbaren (es sei denn, der kinesiologische Muskeltest schreibt eine andere Vorgehensweise
vor). Dann kann man bereits einschätzen, ob die Hypnose wirklich die Therapie ist, die den
gewünschten Erfolg verspricht (der dann in der Regel auch bereits im Alltag wahrgenommen
wird).

Sehr hilfreich ist auch die Hypnose zur Gewichtreduktion. Sie kann als Bewusstseinstrance
Verhalten und innere Vorstellungen dauerhaft verändern und auf diese Weise dazu verhelfen,
dass ein Mensch ein völlig neues Essverhalten entwickelt bzw. auf alte Stressoren nicht mehr
mit übermäßiger Nahrungszufuhr reagiert. Wichtig ist es dabei, vorher festzulegen, welche
Schwerpunkte die Trance behandelt; am sichersten ist auch hier, kinesiologisch (per
Muskeltest) auszutesten, welche Aspekte des Problems die Trance beinhalten sollte, um den
maximalen Erfolg zu erreichen. Ebenso wichtig ist es, die Anzahl der Sitzungen und deren
zeitliche Abstände auf diese Weise so festzulegen, dass sie sich an der jeweiligen Person und
der speziell für sie möglichen Entwicklung orientieren.

Bei Ängsten und Phobien hat die Hypnose den Vorteil (anderen psychologischen Techniken
gegenüber), dass der Klient/Patient seine Angst oder Phobie nicht noch einmal emotional und
in vollem Umfang erleben muss. In der Hypnose ist es dabei möglich, außerhalb und isoliert
von der eigentlichen Angst- oder Phobieerfahrung zu bleiben und von dort aus Maßnahmen
zu ergreifen, damit sich die Angst/Phobie nicht wieder reaktivieren kann. Vom Patienten /
Klienten wird diese Vorgehensweise meist als regelrecht erlösend empfunden. Bei manchen
Ängsten/Phobien ist es allerdings erforderlich, die eigentliche Ursache aufzudecken und
aufzulösen, wofür sich die Releasing-Methode bestens eignet; auch in diesem Fall kann der
kinesiologische Muskeltest Klarheit über die ideale Wahl der Therapietechnik bringen.

Auch bei Prüfungsvorbereitungen hat sich der Einsatz von Hypnose sehr bewährt. Sie er-
möglicht es zunächst einmal, von Versagensängsten und -befürchtungen Abstand zu nehmen
und ein neues Kraftpotential zu entwickeln, indem sich alte Türen schließen und der Klient
dem eigentlichen Ereignis der Prüfung neutraler entgegen sehen kann. Der kinesiologische
Muskeltest zeigt dabei unmissverständlich, wo alte traumatische Erfahrungen schnell und
unkompliziert mit Hypnose gelöscht bzw. überschrieben werden können und wo es unver-
zichtbar ist, noch einmal zurück zu greifen und den Augenblick des Entstehens einer solchen
Prüfungsangst miteinzubeziehen. Dafür eignet sich in vielen Fällen das Instrument Releasing-
Arbeit mehr als die Hypnose (siehe auch bei Ängsten und Phobien): Es schafft neuen Raum
für restlos neue, positive Erfahrungen –dort, wo vorher keiner war.

Das Blockadelösen ist innerhalb der Hypnosethemen eine wunderbare Möglichkeit,
unabhängig vom Thema alles aus dem Unterbewusstsein zu entfernen, was sich wie von allein
und bei dieser Form der Hypnose auf allen Ebenen des menschlichen Seins lösen will. Es
wird vom Klienten/Patienten in der Regel als sehr entspannend und entlastend empfunden und
eignet sich in besonderer Weise zur Kombination mit anderen Schwerpunktthemen, die dann
sozusagen schon von „unnötigem Ballast“ befreit und dadurch wirkungsvoller mit einer
eigens auf sie zugeschnittenen Hypnose zu bearbeiten sind.

Auch in der familiensystemischen Arbeit kann es sinnvoll und tief wirksam sein, einzelne
Themen oder Aspekte mit einer systemischen Hypnose zu bearbeiten. Aus meiner Erfahrung
fühlt sich der Klient/Patient dabei näher und unmittelbarer mit dem Thema verbunden und
kann problemlos Ebenen und Personen wechseln, um dann mit einem „lebendigen“ Eindruck
und einem Zugang zur tieferen Wahrheit des Systems Familie wieder aus der Hypnose
zurück zu kehren. Mit einer systemischen Hypnose bekommen zudem Menschen, die sich
auf die Aufstellungsarbeit nicht so recht einlassen können, einen spürbaren Beweis, wie stark
Schicksalslasten Früherer auf diejenigen übergehen, die später geboren werden, und wie
befreiend und überlebenswichtig es sein kann, solche Lasten respektvoll und achtsam zurück
zu geben.

Die Timeline-Methode bietet die Möglichkeit, auf einer Zeitlinie zurück- oder voranzugehen
und Stationen zu markieren, an denen ein Mensch (in der Vergangenheit) negative und
verletzende Erfahrungen – welcher Art auch immer – gemacht hat. Diese werden dann in der
Regel auch auf die Zukunft projiziert, so dass auch auf der Zeitlinie nach vorne solche
„Blockaden“ wieder auftauchen. Mit dem Medium der Hypnose lassen sich dabei auf dieser
Timeline schmerzhafte und den Klienten einschränkende Erfahrungen ohne tiefe emotionale
Prozesse lösen, indem das eigentliche Ereignis verändert und damit in seiner emotionalen
Ladung entschärft sowie letztendlich sogar neu programmiert und als Lösungsweg neu
gestartet wird. Und auf der Zeitlinie nach vorne in Richtung Zukunft kann sich der Klient
dann selbst davon überzeugen, wie es sich nun anfühlt, um eine schwere Last leichter zu sein.